Konsens oder Kompromiss – womit sollte ich Konflikte lösen?

orange

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Konsens und Kompromiss?

Umgangssprachlich werden die Begriffe oft synonym verwendet, obwohl sie unterschiedliche Lösungsansätze haben, um einen Konflikt konstruktiv zu bewältigen.

Beim Kompromiss geht es darum, sich zumindest in der Mitte zu treffen. Es wird auf beiden Seiten sowohl „Verlust“ als „Gewinn“ gemacht. Je höher der „Gewinn“ aller Beteiligten ist, umso größer ist die Zufriedenheit mit dem Kompromiss. Wir reden von einem faulen Kompromiss, wenn der Verlust größer ist als der Gewinn.

Beim Konsens hingegen wird auf eine Lösung gezielt, mit der alle Konfliktparteien zu 100 % zufrieden sind. Diese Variante ist die Bessere!
Sie erfordert allerdings

  • Zeit
  • Kreativität
  • Bereitschaft und Fähigkeit, sich in den anderen einzufühlen
  • gute Kommunikation
  • und die Bereitschaft, festgefahrenen Vorstellungen los zu lassen und über die Grenzen hinaus zu denken

Wie kommen Sie zum Konsens

  1. Reden Sie miteinander
  • Sprechen Sie über Ihre Wünsche. Was hätten Sie gerne, was wollen Sie auf keinen Fall.
  • Erklären Sie, was hinter Ihren Wünschen steckt.
  • Hören Sie zu, welche Wünsche und Erwartungen der Andere hat.
  • Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen.
  1. Erst dann suchen Sie gemeinsam nach Lösungen
  • Hören Sie sich den Vorschlag des anderen an.
  • Bringen Sie Lösungsvorschläge.
  • Wenn die Vorschläge nicht konform sind, verwerfen Sie diese.
  • Erarbeiten Sie gemeinsam eine komplett neue Lösung.
  • Geben Sie sich Mühe.
  • Verlassen Sie Ihre gewohnten Denkmuster, lassen Sie los.
  • Ändern Sie die Perspektive und versetzen Sie sich in die Situation des anderen.
  1. Setzen Sie die Lösung gemeinsam um
  • Wenn Sie eine Lösung gefunden haben, mit der Sie beide voll zufrieden sind, definieren Sie, was zu tun ist, um die Lösung umzusetzen (wer was bis wann).
  • Halten Sie sich an Ihre Vereinbarung.
  • Überprüfen Sie nach einer gewissen Zeit, ob die Lösung noch Gültigkeit hat.

Konsens und Kompromiss an Hand des Orangenbeispiels

In der Küche liegt die letzte Orange. Mara und Max wollen beide diese Orange haben. Es entbrennt ein Streit.

Kompromiss – die Orange wird mit dem Messer in der Mitte geteilt. Mara und Max bekommen nur eine halbe Orange, sie sind nicht wirklich zufrieden (teilweise Verlust) aber eine halbe Orange ist zumindest besser als gar nichts (teilweise Gewinn).

Konsens – Max und Mara sprechen zuerst darüber, warum sie die Orange wollen, sie erklären die Hintergründe. Max will sich ein Getränk mixen und braucht den Saft der Orange. Mara will Kuchen backen und braucht die Schale der Orange. Da nun beide die Hintergründe kennen, lässt sich eine Lösung leicht finden und beide sind zu 100 % zufrieden.

Mit jeder Konsens-Findung werden Sie wachsen, nehmen Sie diese Erfahrung für den nächsten Konflikt-Lösungsprozess her.

Sein Sie aber nicht enttäuscht, wenn sich einmal kein Konsens finden lässt. Nicht jeder Konflikt kann zu 100 % Zufriedenheit gelöst werden. Ein guter Kompromiss ist immer noch besser als keine Lösung.

Herzlichst Ihre Gabriele Selb

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